Im Januar 2026 hat Adobe das Update auf die InDesign Version 21.2 (2026) herausgebracht. Eine neue Funktion ist seit dieser Version verfügbar: Alternativtexte per KI generieren.
Das klingt erst einmal sehr interessant, weil immer mehr Publikation Alternativtexte für Bilder benötigen. Weil auch ich viel mit diesem Thema beschäftigt bin, habe ich mir diese Funktion näher angesehen.
Wie funktioniert es?
Die erste Frage ist natürlich: Wie funktioniert das Ganze überhaupt? Anlaufstelle Nummer eins bei neuen Funktionen und wie man diese nutzen sollte sind für mich die Versionshinweise – da gibt es meist Videos oder gut aufbereitete Bilder. Aber erstaunlicherweise werden die KI-basierten Alternativtexte dort überhaupt nicht als neue Funktion erwähnt (weder auf der passenden deutschen, noch der englischen Seite).
Die InDesign-Hilfe weiß zum Glück aber mehr darüber (siehe https://helpx.adobe.com/de/indesign/using/alt-text-generation.html). Hält man sich an die dort vorgegebene Arbeitsweise, klappte es bei mir leider trotzdem nicht. InDesign hat mir einfach keinen Alternativtext per KI generiert.
Nach einem Tipp meines geschätzten Kollegen Rainer Klute, konnte ich die Funktion dann aber doch nutzen.
Wie funktioniert es in InDesign mit deutscher Oberfläche?
Damit die Funktion überhaupt genutzt werden kann, muss das »[Einf. Abs.]« auf »Englisch« eingestellt werden. Das hat also in Sachen Praxistauglichkeit schon mal einen ziemlichen Beigeschmack in meinen Augen. Aber immerhin kann man danach Alternativtext per KI generieren.
Man öffnet dazu als erstes über den Menüeintrag »Objekt > Objektexportoptionen…« das Fenster für »Alternativen Text«. Das Bild für welches der Alttext generiert werden soll, muss nun angeklickt werden, sofern es da nicht vorher schon war. Automatisch passiert nun erstmal nichts. Im unteren Bereich des Fensters gibt es einen Hinweis, was man machen muss – der ist aber leider unverständlich, da er abgeschnitten wird. Da Fenster an sich sieht auch etwas falsch aus, weil es rechts keine Rand mehr hat.
Damit die KI aktiv wird, muss man unter »Quelle für Alternativen Text:« Den Eintrag »Benutzerdefiniert« auswählen. Danach kann man durch Aktivierung des Knopfes »Alternativtext« selbigen generieren. Den Hinweis daneben sollten man ebenfalls beachten – das Ganze kostet einen Credit (je nach CC-Paket kann das relevant sein und gegebenenfalls Zusatzkosten nach sich ziehen).
Netter Nebeneffekt der neuen Funktion, die auch bei allen anderen Arten von definiertem Alttext funktionieren (manuell, aus XMP-Daten): Jedes Bild und jede Grafik, mit einem Alternativtext bekommen nun ein kleines T‑Symbol in der linken unteren Ecke (eine Ausnahme bilden gruppierte Objekt, hier klappt das leider nicht, dafür können auch keine Alternativtexte generiert werden). Das Symbol ist sehr hilfreich, um schnell im Layout zu erkennen, wo noch ein Alternativtext hinterlegt werden muss.
Wenn man einmal einen Alternativtext auf diesem Weg generiert hat, scheint es ab dem zweiten Bild einfacher zu werden. Danach wird bei mir automatisch ein Alternativtext generiert, wenn ich bei jedem weiteren Bild auf »Benutzerdefiniert« wechsle (das müsste aber eigentlich schon ab dem ersten Bild so funktionieren).
Möchte man dieses automatisierte Verhalten nicht haben, kann man das in den InDesign-Voreinstellungen anpassen. Zwei Optionen stehen dabei zur Verfügung, Erklärung laut InDesign-Hilfe:
- Wähle Alt-Text beim Platzieren von Bildern automatisch generieren aus, um automatisch Alt-Text generieren zu lassen, wenn du ein Bild platzierst (standardmäßig aktiviert für Benutzer mit unbegrenzten Credits).
- Wähle Tag „KI-generierter Inhalt“ für automatisch generierten Alt-Text hinzufügen aus, damit der Text nicht als KI-generiert getaggt wird (standardmäßig aktiviert).
Wie ist die Qualität der Alternativtexte?
Ich habe die neue Funktion zum Generieren von Alternativtexten per KI mit verschiedenen Bildern und Grafiken ausprobiert, um einen möglichst guten Eindruck zu bekommen. Aber das Ergebnis ist sicher nicht repräsentativ für alle Arten von Bildern.
Hier meine Erkenntnisse:
- Der Alternativtext ist immer in Englisch und daher für anderssprachige Publikationen ohne Übersetzung nicht brauchbar.
- Es gibt immer den Zusatz „KI-generierte Inhalte“, den man manuell löschen muss.
- Logos bekommen oft einen recht gut passenden Alternativtext.
- Bei Bildern bekommen ich oft einen Alternativtext, den ich meist unpassend fand (falscher Fokus, zu kurz, teilweise vollkommen unpassend).
- Bei Grafiken gab es gute und schlechte Ergebnisse.
Blind vertrauen kann man der Funktion also nicht. Immerhin kann man nach der Generierung ein Feedback abgeben und einen neuen Text generieren, aber das führte bei mir bis dato zu keiner Besserung.
Gibt es Alternativen?
Ja, die gibt es! Es gibt verschiedene Tools außerhalb von InDesign und auch als Ergänzung zu InDesign in Form von Scripten oder Plugins. Ich nutze schon recht lange das Plugin »ALT-Text for InDesign« von Roland Dreger, siehe https://exchange.adobe.com/apps/cc/1c6b7a83/alt-text-for-indesign. Das kostet 49$ pro Jahr und kann ein paar Dinge mehr und besser als InDesign; beispielsweise verschieden KI-Modelle nutzen (Open AI und Mistral), funktioniert auch für Gruppen, lässt eine Prompt-Anpassung und Definition der Sprache zu, hat eine Navigation für das Springen zum nächsten Bild und die Möglichkeit Alttexte für alle Bilder auf einmal zu generieren.
Fazit
Aktuell kann ich die neue InDesign-Funktion »Alternativtexte per KI generieren« nicht für den produktiven Einsatz empfehlen. Sie ist neben der Sprachhürde einfach zu ungenau. Ich werden die Funktion regelmäßig auf Verbesserungen prüfen. Solange es hier keine Besserung gibt, werde ich weiterhin das Plugin »ALT-Text for InDesign« einsetzen.


