Ende Juli 2026 ist das InDesign-Update der Version 21.5 erschienen. Erfreulicherweise hat das Team von Adobe auch funktionale Anpassungen vorgenommen. Für mich vor allem interessant ist der Bereich Barrierefreie Tabellen.
Hinweis: Der Fokus liegt in diesem Beitrag vor allem auf der Ausgabe als barrierefreiem PDF, teilweise treffen die Aussagen aber auch auf den EPUB-Export zu.
Bisherige Herausforderungen mit barrierefreien Tabellen in InDesign
Bis zur Version InDesign 21.4 war es nicht möglich eine Tabelle, egal wie einfach oder kompliziert diese aufgebaut war, so auszugeben, dass die den Anforderungen der Barrierefreiheit erfüllt waren. Gängige Prüfprogramme, wie beispielsweise der PDF Accessibility Checker (PAC) haben bei Tabellen immer Fehler gemeldet.
Das Grundproblem: Man konnte zwar Tabellenköpfe definieren und der dafür gedachte TH-Tag wurde auch ausgegeben. Aber Tabellenköpfe müssen definieren, für was Sie der Tabellenkopf sind – für den Inhalt in der zugehörigen Spalte, Zeile oder für beides. Genau diese Information (technisch das Scope-Attribut) hat gefehlt.
Weitere Probleme: Bis dato war es ebenso nicht möglich, Spalten als Tabellenkopfzeilen zu definieren. Das wäre aber bei sehr vielen Tabellen semantisch angebracht. Andernfalls kann die Tabelle auf barrierefreier Ebene nicht „verstanden werden“.
Änderungen mit InDesign 21.5
Die beiden eben genannten Probleme hat das Team von Adobe bei Update der Version 21.5 bedacht. Die Tabellenkopfzugehörigkeit wird nun hinterlegt, auch Spalten können nun als Tabellenköpfe definiert werden (Adobe nennt es im deutschen InDesign „Kopfzeilenspalten“). Hier gibt es leider ein paar Stolpersteine – diese adressiere ich in der nächsten Sektion.
Einher geht damit auch die Möglichkeit derartig gekennzeichnete Kopfzellen über Tabellenformate mir einem eigene Zellformat zu definieren.
Die Einschränkungen des InDesign-Updates
Die Umsetzung der potenziellen Verbesserungen hat leider nur bedingt gut funktioniert. In vielen Konstellationen gibt es weiterhin keine korrekten barrierefreien Tabellen und berechtigte Prüffehler. Folgende Einschränkungen sind mir aktuell bekannt:
- Definiert man Zeilen und Spalten als Kopfzellen, werden die überlappenden Zellen (die sowohl Kopf- als auch Spaltenzelle) nicht korrekt definiert,
- Leere Zellen in Kopf- /Spaltenzellen werden fälschlicherweise als Kopfzelle (TH) definiert, korrekt wäre eine Kennzeichnung als Datenzelle (TD),
- Zusammengefügte Zellen in Tabellenköpfen generieren Fehler (Irreguläre Tabellen),
- Komplexe Tabellen, die nicht ausschließlich über Kopf- als auch Spaltenzellen beschrieben werden können, können weiterhin nicht korrekt definiert werden,
- Wiederholende Kopfzeilen, werden weiterhin nicht korrekt gehandhabt.
Im Endergebnis bedeutet dies leider: Wer barrierefreie PDF-Dokumente mit InDesign erstellt, in den sich Tabellen befinden, muss einen Großteil von Tabellen weiterhin manuell nachbearbeiten, sofern man nicht das kostenpflichtige Plugin axaio MadeToTag benutzt, welche solche und andere Probleme bei der Ausgabe behebt. Aber nur weil InDesign hier Probleme bereitet, sollten man aber bitte nicht darin verfallen, Tabellen falsch oder gar nicht mit Kopfzellen auszuzeichnen – das führt zwar zu Grünen Haken in einer Prüfung, ist aber nicht konform zu den Anforderungen der Barrierefreiheit (eine KI-basierte Prüfprogramme weisen auch schon darauf hin).
Erläuterungen als Video
Zu allen Punkten habe ich auch ein Video erstellt, in dem ich die die Möglichkeiten von InDesign zeige und die daraus entstehende Verbesserungen und Probleme (Direktlink: https://youtu.be/7zREMxMmNsI).

